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Weißer Unterdruck bei farbigem Untergrund. Wann er nötig ist

Der Kunde schickt eine Datei: ein Etikett für eine transparente Folie, dunkelblauer Hintergrund, darauf weiße Buchstaben der Marke. Auf dem Monitor sieht das großartig aus. Die einzige Frage ist, worauf diese Buchstaben eigentlich weiß erscheinen sollen, wenn darunter transparente Folie oder farbiger Karton liegt.

CMYK-Farben, mit denen im Offset- und Digitaldruck gedruckt wird, sind halbtransparent. Das ist kein Fehler, sondern ihre Natur, denn das gesamte Farbmodell basiert darauf, dünne Farbschichten auf weißes Papier aufzutragen, das Licht durch diese Schichten reflektiert und uns so den Farbeindruck vermittelt. Das Problem beginnt dort, wo dieses weiße Papier fehlt. Auf transparenter Folie, auf schwarzem Karton, auf goldener oder silberner metallisierter Folie existiert weiße CMYK-Farbe schlicht nicht als Option, denn in CMYK bedeutet Weiß fehlende Farbe, also den durchscheinenden Untergrund darunter.

Warum Farben ohne Unterdruck einfach verschwinden

Nehmen wir ein einfaches Beispiel. Du gestaltest ein Etikett für transparente PET-Folie, der Hintergrund soll tiefrot sein, darauf ein weißer Schriftzug mit dem Produktnamen. Du druckst in CMYK, schickst die Datei in die Produktion, erhältst die fertigen Etiketten und… der Schriftzug ist nicht zu sehen. Denn dort, wo im Entwurf „weiß“ war, wurde im Druck einfach nichts gedruckt. Die Folie blieb Folie, also transparent, und man sieht dadurch das Etikett von der anderen Seite des Glases oder, schlimmer noch, das Produkt selbst im Inneren. Das ist kein Fehler der Druckerei. Das ist Physik der Farbe.

Derselbe Mechanismus wirkt bei dunklem Karton. Eine schwarze Schachtel mit weißem Logo funktioniert nicht, wenn man einfach weiße CMYK-Farbe auf schwarzen Hintergrund aufträgt, denn der schwarze Karton scheint durch die dünne Farbschicht hindurch und das Logo wirkt grau, schmutzig, verschmiert. Ich habe solche Versuche wiederholt gesehen: Der Kunde ist überzeugt, dass Weiß eben Weiß ist, und wundert sich, warum das Logo auf dem Probedruck aussieht, als hätte jemand es mit einem Bleistift verwischt.

Was ist eigentlich ein weißer Unterdruck

Ein weißer Unterdruck, in der Branche manchmal auch weiße Unterlage oder Underprint genannt, ist eine zusätzliche Farbschicht, meist deckendes Weiß, die unter dem eigentlichen farbigen Aufdruck aufgetragen wird. Er funktioniert wie eine grundierte Wand vor dem Streichen. Ohne Grundierung zieht die Farbe ungleichmäßig ein und die alte Farbe scheint darunter durch. Mit Grundierung hat man eine saubere, einheitliche Basis, auf der die Farbe genau so erscheint, wie sie geplant war.

In der Praxis wird der Unterdruck als separate Farbschicht aufgetragen, meist als erste Schicht in der Druckreihenfolge bei Arbeiten auf transparenten und metallisierten Folien, oder umgekehrt als letzte Schicht, wenn von der Rückseite durch ein transparentes Substrat gedruckt wird und die Farbe von der anderen Seite sichtbar sein soll. Die Reihenfolge hängt von der Konstruktion des Etiketts oder der Verpackung ab sowie davon, von welcher Seite das fertige Produkt betrachtet werden soll.

Der Unterdruck ist keine Farbe, sondern eine technische Schicht: In der Datei wird der weiße Unterdruck als separater Kanal beziehungsweise separater Pfad vorbereitet, gekennzeichnet als Sonderfarbe (Spot Color), nicht als Element in CMYK. Es ist eine Information für die Maschine, wo die weiße Deckfarbe aufgetragen werden soll, kein grafisches Element für den standardmäßigen Druckprozess.

Wann der Unterdruck wirklich notwendig ist

Das häufigste Szenario sind selbstklebende Etiketten auf transparenter Folie, bei denen das Produkt teilweise durch die Verpackung sichtbar sein soll, während Logo oder Name gleichzeitig gut lesbar und farbintensiv sein müssen. Ohne Unterdruck erhält man einen Aquarelleffekt auf Glas statt eines soliden Drucks.

Der zweite Fall ist der Druck auf farbigen, dunklen oder Kraft-Verpackungsmaterialien. Wenn der Entwurf weiße grafische Elemente, einen weißen Hintergrund unter dem Logo oder helle Farben auf dunklem Karton vorsieht, kann CMYK-Farbe das von sich aus nicht leisten. Der dritte Fall, seltener, aber real, ist der Druck auf metallisierten Folien, wo der goldene oder silberne Glanz des Untergrunds jede direkt darauf aufgetragene Farbe verfälscht, da die metallische Basis durch die dünne Farbschicht durchscheint und deren Farbton verändert.

Es gibt auch Situationen, in denen kein Unterdruck nötig ist, obwohl die Intuition etwas anderes nahelegt. Wenn auf standardmäßigem weißem Papier oder weißem Karton gedruckt wird, funktioniert die gesamte CMYK-Logik so, wie sie soll, denn das Weiß des Untergrunds erledigt die Arbeit für dich. Der Unterdruck bedeutet zusätzliche Kosten und einen zusätzlichen Produktionsschritt, daher ist es sinnvoll, vor der Bestellung zu fragen, ob er bei der jeweiligen Konstruktion wirklich erforderlich ist.

Ein Zahlenbeispiel aus der Praxis

Nehmen wir ein Etikett für eine Flasche aus transparenter Folie an, Format 80×120 mm, Entwurf mit dunkelblauem Hintergrund und weißem Logo in der Mitte. Ohne Unterdruck erscheint das Dunkelblau im Druck als halbtransparentes Violett, da Licht durch die Farbe und durch die Folie hindurchgeht, und das Logo wird an der Stelle, an der es weiß sein sollte, einfach ein transparentes Loch, das den Inhalt der Flasche zeigt. Mit weißem Unterdruck unter der gesamten Blaufläche und separat unter dem Logo erhält man ein solides, deckendes Blau und ein sauberes weißes Logo, das tatsächlich so aussieht wie der Entwurf auf dem Bildschirm.

Häufigste Fehler bei der Gestaltung mit Unterdruck

Der erste und häufigste Fehler ist, den Unterdruck völlig zu vergessen, weil auf dem Monitor alles gut aussieht, der Monitor aber Licht aussendet, nicht durch Farbschichten auf transparentem Hintergrund reflektiert. Der Gestalter sieht weißen Text auf schwarzem Hintergrund und hält die Sache für erledigt, ohne sich zu fragen, worauf dieses Weiß physisch entstehen soll.

Der zweite Fehler ist, den Unterdruck mit der Farbe Weiß in CMYK zu verwechseln. Jemand fügt im Entwurf ein Rechteck mit der Füllung C0 M0 Y0 K0 hinzu und denkt, das erledigt die Sache. Das tut es nicht, denn ein solches Objekt bedeutet im CMYK-Druck einfach fehlende Farbe, also wird an dieser Stelle nichts gedruckt und man sieht den nackten Untergrund. Der Unterdruck muss als separate Schicht oder Spot-Kanal definiert werden, eindeutig als weiße Deckfarbe beschrieben, damit die Druckvorstufe weiß, dass es sich nicht um ein grafisches Element im standardmäßigen Farbprozess handelt.

Der dritte Fehler ist ein Unterdruck exakt in derselben Größe wie das darüberliegende Element, ohne jegliche Toleranzmarge. Beim mehrschichtigen Druck besteht immer das Risiko einer minimalen Verschiebung zwischen den aufeinanderfolgenden Farbauftragungen. Wenn Unterdruck und darüberliegender Aufdruck also pixelgenau identische Konturen haben, sieht man bei der kleinsten Abweichung eine dünne Linie durchscheinenden Untergrunds am Rand des Elements. Bewährte Praxis ist eine leichte Vergrößerung des Unterdrucks gegenüber der darüberliegenden Grafik, damit ein solcher Rand immer sicher abgedeckt ist.

Ein weißes Rechteck in CMYK ist kein Unterdruck: Die Füllung C0 M0 Y0 K0 in einer standardmäßigen grafischen Ebene bedeutet im Druck fehlende Farbe, nicht weiße Farbe. Auf transparenter Folie und dunklem Untergrund ist ein solches Objekt schlicht nicht sichtbar. Der Unterdruck muss ein separater Kanal oder eine Spot-Ebene sein, eindeutig als deckendes Weiß gekennzeichnet.

Wie das in der Praxis bei der Dateivorbereitung aussieht

Bei Dateien für Etiketten und Verpackungen mit Unterdruck arbeitet man üblicherweise mit zwei übereinandergelegten Ebenen im Grafikprogramm. Die eine ist der standardmäßige Entwurf in CMYK, also das, was farblich sichtbar sein soll. Die andere ist die Unterdruck-Ebene, in der man die Konturen der Elemente kopiert, die auf transparentem oder dunklem Hintergrund liegen sollen, und sie mit einer einheitlichen Sonderfarbe füllt, benannt beispielsweise White oder Unterdruck, definiert als Spot Color. Diese Ebene landet in der PDF-Datei als separater Kanal, lesbar für die Druckmaschine als Anweisung zum Auftragen weißer Deckfarbe, nicht als in CMYK aufzuteilendes Element.

Auflösung und Bildvorbereitung folgen denselben Regeln wie bei jedem anderen Druck, also Bilder vorbereitet mit 300 dpi im Maßstab 1:1, und die Datei letztlich exportiert als Druck-PDF, idealerweise im Standard PDF/X-1a oder als korrekt vorbereitete Compositedatei. Für ausgewählte Anwendungen werden auch TIFF- oder JPG-Dateien angenommen, aber bei Konstruktionen mit Unterdruck bietet ein PDF mit klar getrennten Ebenen die geringste Fehleranfälligkeit.

Bei Etiketten und Verpackungen mit Unterdruck ist es außerdem sinnvoll, im Voraus genau festzulegen, auf welchem Material die Arbeit realisiert wird, denn unterschiedliche Materialien, von transparenten Folien über metallisierte Folien bis zu Kartons in verschiedenen Weiß- oder Cremetönen, verhalten sich unterschiedlich hinsichtlich der Deckkraft und können einen anderen Ansatz bei der Dicke der Unterdruckschicht erfordern.

Unterdruck und andere Veredelungen

Wichtig zu wissen: Der weiße Unterdruck ist ein eigener technologischer Schritt, der neben anderen Veredelungen existiert, sie aber nicht ersetzt und nicht mit ihnen identisch ist. Sieht der Entwurf zusätzlich partiellen UV-Lack, Heißfolienprägung, Prägung oder Kaschierung vor, benötigt jedes dieser Elemente eine eigene, separate Ebene in der Datei, klar beschrieben und ohne direkte Überlappung mit anderen Veredelungen an derselben Stelle. Eine zu starke Verkomplizierung der Konstruktion, etwa die Kombination von Unterdruck, partiellem Lack und Prägung genau an demselben Punkt des Entwurfs, kann Probleme in der Produktion erzeugen, die sich mit einem einfacheren Ebenenaufbau vermeiden ließen.

Bei Verpackungen mit komplexerer Konstruktion, wo neben dem Unterdruck auch noch Stanzform, Rillung oder Sichtfenster eine Rolle spielen, ist es sinnvoll, alles bereits in der Musterphase zu planen, bevor der Entwurf in die Serienproduktion geht. Der Übergang vom Prototyp zur vollständigen Serie erlaubt zu prüfen, ob der Unterdruck tatsächlich so deckt wie geplant, bevor die gesamte Auflage bestellt wird.

Wann man die Druckerei fragen sollte, bevor man mit dem Design beginnt

Wenn du dir nicht sicher bist, ob deine Konstruktion einen Unterdruck benötigt, ist der beste Zeitpunkt für diese Frage vor Beginn der Gestaltung, nicht danach. Beschreibe den Untergrund, auf dem die Arbeit entstehen soll, die konkreten Farben, die sichtbar sein sollen, und ob das Produkt teilweise transparent oder vollständig deckend sein soll. So vermeidet man Situationen, in denen der gesamte Entwurf überarbeitet werden muss, weil sich erst in der Druckvorstufe herausstellt, dass der weiße Schriftzug keine Grundlage hat, auf der er entstehen kann.

Die Regel in Kürze: Ist der Untergrund nicht weiß, sieht der Entwurf aber Weiß oder helle Farben auf diesem Untergrund vor, wird ein Unterdruck benötigt. Ist der Untergrund bereits weißes Papier oder weißer Karton, kommt CMYK allein zurecht.

Eine Farbe, die man doppelt im Auge behält

Bei Arbeiten mit Unterdruck ist die Farbwiederholbarkeit etwas schwieriger zu halten als beim gewöhnlichen Druck auf weißem Papier, denn das Ergebnis wird nicht nur von der CMYK-Farbe selbst beeinflusst, sondern auch von der Dicke und Gleichmäßigkeit der darunterliegenden weißen Schicht. Deshalb hat bei größeren Auflagen und Arbeiten, bei denen die Firmenfarbe auf jedem Exemplar identisch ausfallen muss, der Offsetdruck dank Farbwiederholbarkeit und Prozessstabilität einen Vorteil, insbesondere bei längeren Serien von Verpackungen und Premium-Etiketten. Normen wie ISO 12647-2 beschreiben genau diese Prozessparameter, optischen Dichten und kolorimetrischen Werte, die es ermöglichen, die Farbkonsistenz über aufeinanderfolgende Bögen hinweg zu erhalten.

Was man bei der Gestaltung des Unterdrucks vermeiden sollte, kurz zusammengefasst

  • Prüfe, ob der Untergrund transparent, metallisiert oder dunkel ist, bevor du weiße Elemente im Entwurf planst
  • Fülle weiße Elemente nicht mit der Farbe C0 M0 Y0 K0 in der standardmäßigen CMYK-Ebene
  • Bereite den Unterdruck als separate Ebene oder Spot-Kanal vor, eindeutig beschrieben
  • Vergrößere die Kontur des Unterdrucks leicht gegenüber der darüberliegenden Grafik, um Durchscheinen an den Kanten zu vermeiden
  • Lege im Voraus fest, auf welchem Material die Arbeit genau realisiert wird
  • Kläre die Konstruktion mit Unterdruck vor Beginn der vollständigen Gestaltung, nicht danach

Der weiße Unterdruck ist eines dieser Themen, die wie eine technische Kleinigkeit wirken, bis man das fertige Etikett mit einem Loch statt eines Logos sieht. Es lohnt sich, ihn gleich zu Beginn des Projekts zu durchdenken, denn Korrekturen nach dem Druck der gesamten Auflage kosten mehr als eine einzige Frage an die Druckerei, bevor man das Grafikprogramm öffnet.

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