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Roll-up und Messesysteme - Grafik richtig vorbereiten

Ein Roll-up wirkt wie die einfachste Werbeform der Welt - Plakat einschieben, ausklappen, fertig. Das Problem beginnt jedoch viel früher, bei der Datei, und genau dort verliert meist jemand die halbe Auflage vor der Messe.

Der Kunde bringt eine Datei. Die Datei hat 72 dpi, weil er sie so aus einer PowerPoint-Präsentation gespeichert hat, und exakt dieselben Abmessungen wie der Bildschirm des Laptops, auf dem er sie erstellt hat. Wir sollen daraus ein zwei Meter hohes Roll-up drucken. Nein, das geht nicht. Und nein, man kann das nicht 'irgendwie in Photoshop hochziehen', denn aus nichts wird nichts - man kann nur das, was schon da ist, auf eine größere Fläche verschmieren.

Ein Roll-up hat die Eigenschaft, dass es nah bei den Menschen steht. Ein Plakat auf einer Litfaßsäule sieht man aus fünfzig Metern Entfernung vom Auto aus, die Druckqualität kann also mittelmäßig sein, ohne dass es jemand bemerkt. Ein Roll-up steht am Eingang zum Messestand, der Kunde tritt bis auf einen halben Meter heran, macht manchmal sogar ein Foto davor. Jeder Pixel, jede Schliere durch falsche Auflösung, jedes JPEG-Kompressionsartefakt - man sieht es sofort.

Was ist ein Messesystem überhaupt, und warum hat es eigene Regeln

Ein Roll-up ist eine Kassette mit Feder- oder Gravitationsmechanismus, in die sich die auf Vinyl-, Blockout- oder Textilmaterial gedruckte Grafik einrollt. Die Grafik ist unten an einer Leiste und oben an einer Halterung am Mast befestigt. Löst man die Arretierung, rollt die Feder das Banner selbstständig in die Kassette. Es handelt sich um ein mechanisches Gerät mit entsprechenden Toleranzen - die Grafik muss exakt an der richtigen Stelle auf dem Material sitzen, sonst rollt sie sich entweder nicht gleichmäßig auf oder die Kanten werden faltig.

Messesysteme sind eine breitere Kategorie - neben dem klassischen Roll-up (manchmal auch Banner-Stand genannt) gibt es modulare Wände (Pop-up-Display), LED-Leuchtkästen, X-Banner-Systeme, L-Banner sowie textile Ausstellungssysteme mit auf Rahmen gespannten Stoffen (Tension Fabric). Jedes davon hat eigene Anforderungen an die Datei, weil Material und Montagemethode unterschiedlich sind. Eine auf einen Rahmen gespannte Textilwand braucht einen anderen Sicherheitsabstand als das an einer Leiste in der Roll-up-Kassette befestigte Vinyl - weil sich das Gewebe dehnt, das Vinyl aber nicht.

Größen - und warum das 'Standard-Roll-up' etwas Mythos ist

Das gängigste Roll-up hat eine Breite von 85 cm und eine Höhe von 200 cm, doch das ist keine feste Norm wie das A4-Format bei Büropapier. Die Kassettenhersteller unterscheiden sich um einige Zentimeter in beide Richtungen. Bevor man also mit dem Entwurf beginnt, sollte man die genauen Maße der bestellten Kassette prüfen - oder uns das erledigen lassen, denn wir haben Maßtabellen für alle Modelle in unserem Angebot. Gängige Breiten sind 60, 85, 100, 120 und 150 cm, die Höhe beträgt standardmäßig 200 cm, seltener 220 oder 240.

Nicht 'nach Augenmaß' anhand des Modellnamens entwerfen: Zwei Roll-ups mit demselben Handelsnamen von unterschiedlichen Herstellern können Kassetten haben, die sich um 1-2 cm in der Breite unterscheiden. Bei einer randnahen, vollflächigen Grafik macht dieser eine Zentimeter den Unterschied zwischen einem sauberen Ergebnis und einem abgeschnittenen Logo aus.

Auflösung - warum 300 dpi im Großformat ein falscher Standard ist

Hier räumen wir gleich mit einem Mythos auf. Im Offsetdruck, bei Flyern oder Visitenkarten, ist 300 dpi ein sinnvoller Standard, weil man aus geringer Entfernung betrachtet und maximale Schärfe möchte. Im Großformat würde dieselbe Regel das Projekt zunichtemachen - eine Datei für ein Roll-up 85×200 cm mit 300 dpi wäre mehrere Gigabyte groß, kein Computer könnte damit vernünftig arbeiten, und trotzdem würde niemand den Unterschied sehen, weil der Betrachter einen Meter vom Plakat entfernt steht, nicht einen Zentimeter.

Praktische Regel für den Großformatdruck: 100-150 dpi in tatsächlicher Größe reichen für Materialien aus, die aus einem Meter Entfernung oder mehr betrachtet werden, wie Roll-ups, Wände oder Banner. Bei Grafiken für Plakatwände, die aus mehreren Dutzend Metern betrachtet werden, kann man sogar auf 30-50 dpi heruntergehen. Entscheidend ist die Formulierung 'in tatsächlicher Größe' - also eine im Programm auf 85×200 cm eingestellte Datei, nicht eine auf 8,5×20 cm erstellte und danach vervierfachte Datei. Skalierung im Layoutprogramm und Skalierung durch Vergrößern eines fertigen Rasterbildes sind zwei verschiedene Dinge, und nur ersteres funktioniert.

Ich selbst habe einmal eine Datei mit 300 dpi im Format 150×200 cm bekommen - zwanzig Gigabyte, das Programm stürzte bei jedem Bearbeitungsversuch ab, und der Kunde sah am Ende ohnehin keinen Unterschied zur 120-dpi-Version, die wir schließlich gedruckt haben. Mehr dpi bedeutet nicht automatisch besser, sondern nur mehr zu verarbeitende Daten.

Fotos aus dem Internet, aus PowerPoint und vom Handy - das Ausmaß des Problems

Ein von Google heruntergeladenes Foto hat meist Abmessungen im Bereich von 1000-2000 Pixel. Für ein Roll-up 85×200 cm mit 100 dpi Auflösung braucht man ein Bild mit etwa 3350×7870 Pixel. Der Unterschied ist gewaltig - das Google-Foto müsste um ein Vielfaches vergrößert werden, was Unschärfe, Pixelbrei und den Effekt zur Folge hat, den wir in der Branche scherzhaft 'Internet-Mosaik' nennen. Ein Foto von einem guten Smartphone, etwa einem iPhone 14 mit 48-Megapixel-Sensor, liefert eine Datei von etwa 8000×6000 Pixel - das reicht für ein größeres Format, sofern das Foto scharf und gut ausgeleuchtet war.

Beschnitt, Sicherheitsabstände und Kassettenzone - die Geometrie des Roll-ups

Hier unterscheidet sich das Roll-up grundlegend vom Flyer. Beim Flyer dient der Beschnitt dazu, Unregelmäßigkeiten beim Schneiden mit der Guillotine zu kaschieren. Beim Roll-up gibt es in diesem Sinne keinen Schnitt nach dem Druck - das Banner wird auf das bestellte Materialmaß zugeschnitten, aber viel wichtiger ist etwas anderes: die Befestigungszone an den Leisten der Kassette.

Standardmäßig werden die oberen 3-5 cm und die unteren 5-8 cm der Roll-up-Grafik verklebt oder mechanisch an der Leiste befestigt - dieser Bereich ist teilweise verdeckt oder im Mechanismus eingerollt. Platziert man dort wichtigen Text, ein Logo oder das Gesicht einer Person aus einem Foto, riskiert man, dass es optisch abgeschnitten wird oder in die Kassette eingerollt und überhaupt nicht sichtbar ist. Praktische Regel: keine Schlüsselelemente (Logos, Call-to-Action, Telefonnummer) im Streifen von 6 cm von oben und 8 cm von unten der Grafik.

Das Bruttoformat der Datei (also jenes, in dem man entwirft) sollte exakt dem vom Kassettenhersteller angegebenen Maß des zu bedruckenden Materials entsprechen - ohne zusätzlichen äußeren Beschnitt, da hier nichts aus einem Bogen geschnitten wird. Innerhalb dieses Formats wird jedoch ein Sicherheitsabstand angewendet: 3-5 cm von der linken und rechten Kante für Text und Logo, damit bei einer nicht perfekten Materialspannung in der Kassette nichts aus dem Sichtfeld fällt.

Konkretes Beispiel: Roll-up 85×200 cm. Die Datei wird im Format 85×200 cm angelegt (ohne zusätzlichen äußeren Beschnitt). Obere Befestigungszone: 5 cm von oben - ohne Text, ohne Logo. Untere Befestigungszone in der Kassette: 7 cm von unten - ohne wichtige Elemente. Seitlicher Sicherheitsabstand: 3 cm auf jeder Seite für Text. Das effektive 'sichere Feld' für Inhalte umfasst also einen Bereich von etwa 79×188 cm im zentralen Teil der Grafik.

Farben - warum das Roll-up nie so aussieht wie auf dem Bildschirm

Der Großformatdruck mit Solvent- oder Latextinte arbeitet im CMYK-Farbraum, allerdings nicht identisch mit dem aus dem Offsetdruck auf gestrichenem Papier. Vinyl hat eine andere Textur, reflektiert Licht anders und nimmt Farbe anders auf als Papier. Gesättigte Farben, besonders tiefe Blautöne, Rot- und Schwarztöne, können spürbar anders wirken als am Monitor - der Monitor leuchtet, das Material reflektiert, das ist physikalisch eine andere Art der Farbwahrnehmung, und das lässt sich nicht durch Kalibrierung austricksen.

Wenn ein Unternehmen eine klar definierte Firmenfarbe in Pantone hat, lohnt es sich, dies bei der Bestellung anzugeben - eine gute Druckerei kann die Rezeptur an das jeweilige Material anpassen, wobei im Großformatdruck eine exakte Pantone-Treffgenauigkeit schwerer zu erreichen ist als im Offsetdruck, da Breitformatmaschinen einen anderen Satz an Grundfarben verwenden. Ein schwarzer Hintergrund auf dem Roll-up ist ein eigenes Thema - ein tiefes, gleichmäßiges Schwarz auf Blockout-Vinyl sieht anders aus als auf Textil, wo es bei starker Hinterleuchtung des Standes leicht durchscheinen kann.

Die häufigsten Fehler, die wir in der Produktion sehen

Eine Datei in RGB statt CMYK ist der Klassiker - ein in PowerPoint oder Canva erstelltes Projekt wird standardmäßig in RGB gespeichert, die Farben wirken am Bildschirm lebendig, nach der Umwandlung in CMYK geht ein Teil der Sättigung verloren, weil CMYK einen engeren Farbraum als der Bildschirm hat. Das ist kein Fehler der Druckerei - das ist die Physik der Farbstoffe.

Text zu nah am Rand ist der zweite Klassiker, besonders eine Telefonnummer oder Internetadresse, die ganz unten in der Grafik platziert wurde, genau dort, wo der Befestigungsmechanismus sie verdeckt. Wir haben schon ein Roll-up gesehen, bei dem der Call-to-Action 'Rufen Sie an: ...' im zwei Zentimeter breiten Streifen von unten stand - die Telefonnummer verschwand fast vollständig unter der Kassettenleiste.

Ein weiterer Fehler: das Entwerfen im A4-Format und das 'proportionale Vergrößern' durch das Großformat-Druckprogramm ohne Neuberechnung der Auflösung. Das Programm vergrößert die Datei zwar auf das gewünschte Format, aber die effektive Auflösung sinkt proportional - aus 300 dpi im A4-Format bleiben nach der Vergrößerung auf 85×200 cm vielleicht 15-20 dpi übrig, sodass das Plakat aussieht wie ein Foto, das durch ein beschlagenes Fenster aufgenommen wurde.

Und der letzte, weniger offensichtliche Fehler: die Missachtung des Kontrasts bei der Beleuchtung des Standes. Messestände sind oft punktuell und manchmal recht schwach beleuchtet. Eine Grafik mit hellem Hintergrund und hellem Text, die am Bürobildschirm elegant wirkt, kann in der Messehalle bei schlechterem Licht einfach verschwimmen. Das ist kein technischer Fehler der Datei, aber man sollte bereits beim Entwurf daran denken, nicht erst hinterher.

Dateiformat und wie man es uns übermittelt

PDF mit eingebetteten Schriften und Bildern, in tatsächlicher Größe oder im Maßstab 1:10 mit ausdrücklich in der Bestellbeschreibung angegebenem Maßstab - das ist unser bevorzugtes Format. Wenn im verkleinerten Maßstab entworfen wird (was bei großen Formaten Sinn ergibt, da das Programm bei einer Datei mit 850×2000 mm in tatsächlicher Größe manchmal ins Stocken gerät), sollte dies klar in der E-Mail vermerkt werden: 'Datei im Maßstab 1:10, Zielformat 85×200 cm'. Missverständnisse in diesem Punkt haben schon so manche Druckerei eine komplette, im falschen Maßstab gedruckte Auflage gekostet.

TIFF oder hochwertiges JPEG nehmen wir ebenfalls an, aber ohne Textebenen lässt sich bei der Druckvorstufe schwerer etwas korrigieren, falls uns ein Fehler auffällt. PDF gibt uns die Möglichkeit zu prüfen, ob der Text wirklich Text ist (vektoriell, unabhängig vom Maßstab scharf) oder ein aus einem Screenshot eingefügtes Rasterbild - und das kommt häufiger vor, als man denkt.

Bevor Sie die Datei zum Roll-up-Druck senden, prüfen Sie

  • Das Dateiformat entspricht exakt den Maßen der Kassette (beim Hersteller geprüft, nicht aus dem Gedächtnis)
  • Auflösung 100-150 dpi in tatsächlicher Größe, nicht umgerechnet aus einem verkleinerten Maßstab ohne Korrektur
  • Die oberen 5 cm und unteren 7-8 cm der Grafik sind frei von Text, Logo und anderen Schlüsselelementen
  • Sicherheitsabstand von mind. 3 cm an den Seiten für Text
  • Farben in CMYK, nicht in RGB
  • Schriften eingebettet oder in Vektoren (Outlines/Kurven) umgewandelt
  • Fotos in ausreichender Auflösung - nicht von Google in 1000 Pixel heruntergeladen
  • Datei als PDF mit klar angegebenem Maßstab gespeichert, falls im verkleinerten Maßstab entworfen wurde

So sieht das in unserer Produktion in der Praxis aus

Bevor wir die Datei auf den Solvent-Plotter geben, erstellen wir einen sogenannten Proof - einen Probedruck in kleinerem Maßstab oder einen Ausschnitt 1:1 an einer kritischen Stelle, falls der Kunde Zweifel an der Farbe hat. Bei größeren Bestellungen, mehreren Roll-ups für ein ganzes Event, lohnt sich das wirklich, denn eine Korrektur nach dem Druck des gesamten Sets bedeutet nicht nur Materialkosten, sondern auch Zeit - und auf Messen ist Zeit oft die einzige Ressource, die man nicht nachkaufen kann.

Das Material ist genauso wichtig wie die Datei selbst. Blockout-Vinyl scheint nicht durch, lässt sich gut einrollen und ist unempfindlich gegen kleinere Knicke - der Standard für mehrfach verwendbare Roll-ups. Textil (Polyester) ergibt einen matten, edleren Effekt, ist aber anfälliger für Knitterfalten beim Transport, worauf man den Kunden hinweisen sollte, damit er nicht überrascht ist, wenn er die Kassette nach der Fahrt im Kofferraum auspackt.

Messesysteme sind mehr als nur das Roll-up: Wer einen größeren Messestand plant, sollte das gesamte System zusammen durchdenken - modulare Wand, Roll-up, vielleicht noch Bodenständer mit LED. Eine einheitliche Farbgebung und gemeinsame Basisdateien (dasselbe Logo als Vektor, dieselbe CMYK-Palette) erleichtern uns die Arbeit und verkürzen die Umsetzungszeit für das gesamte Set.

Roll-ups und Messesysteme verzeihen weniger, als man auf den ersten Blick denkt - der geringe Abstand des Betrachters und die mechanische Befestigung der Grafik in der Kassette sind zwei Faktoren, die es bei einem flachen Flyer schlicht nicht gibt. Eine gute Datei berücksichtigt beide Tatsachen von der ersten Skizze an, nicht erst nachträglich in der Korrekturphase.

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