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Wie die Zusammenarbeit mit dem Grafiker bei einem Druckauftrag abläuft

Bevor eine Datei auf die Maschine kommt, muss sie jemand richtig vorbereiten - und das ist keine Formalität, sondern der Schritt, der darüber entscheidet, ob der Druck so aussieht, wie Sie es sich vorstellen. Wir zeigen, wie der Arbeitsprozess mit einem Grafiker in der Praxis abläuft, wo es am häufigsten hakt und worauf Sie achten sollten, bevor Sie für die Auflage bezahlen.

Einmal rief bei uns ein Kunde an, der selbst «ein Design in Word erstellt hatte, weil er ein schönes Foto aus dem Internet hatte», und das auf einem Banner mit 3×2 Metern drucken wollte. Ich mache keinen Scherz. Es endete mit einem Gespräch darüber, was der Unterschied zwischen einem Pixel und einem Vektor ist, und einem Anruf bei einem Grafiker - sonst hätte das Banner ausgesehen wie ein Foto, das durch eine Busscheibe geschossen wurde. Diese Geschichte zeigt etwas, das sich in der Druckerei jede Woche wiederholt - Menschen unterschätzen, wie viel Arbeit eines Grafikers zwischen einer Idee und dem fertigen Druck steckt, bis sie sehen, was passiert, wenn diese Arbeit fehlt.

Die Zusammenarbeit mit einem Grafiker bei einem Druckauftrag ist keine einmalige E-Mail mit Anhang. Es ist ein Prozess, der - wenn er gut gemacht wird - Zeit, Nerven und Geld spart. Und wenn er über Abkürzungen läuft, endet er mit Last-Minute-Korrekturen, einem verschobenen Termin oder, was noch schlimmer ist, einer Auflage, die komplett neu gedruckt werden muss.

Warum Sie überhaupt einen Grafiker brauchen und nicht nur eine Druckerei

Die Druckerei druckt das, was sie in der Datei erhält. Das klingt banal, aber genau darum geht es - die Offsetmaschine hat keine Ahnung, ob Ihr Logo blauer sein sollte oder ob sich der Text auf dem Etikett mit dem Hintergrund vermischt. Sie trägt einfach die Farbe entsprechend dem auf, was im PDF steht. Die ganze Intelligenz, die ganze Idee davon, wie etwas aussehen soll und ob es überhaupt druckbar ist - das ist die Aufgabe des Grafikers.

Ein Druckgrafiker unterscheidet sich von einem Grafiker, der nur Grafiken für Instagram erstellt. Letzterer kann ein hervorragendes Gefühl für Farbe und Komposition am Bildschirm haben, muss aber nicht wissen, dass sich CMYK anders verhält als RGB, dass eine 6-Punkt-Schrift im Offsetdruck zu einem unleserlichen Fleck wird oder dass bei UV-Lack die Maske eine reine Sonderfarbe (Spotfarbe) sein muss und kein Verlauf. Ein guter Druckgrafiker kennt diese Einschränkungen aus dem Effeff und gestaltet von der ersten Mausklick-Aktion an im Programm mit der Maschine im Kopf.

Phase 1: das Briefing, also das Gespräch, bevor überhaupt etwas entsteht

Alles beginnt mit dem Briefing - und hier machen viele Kunden den Fehler, es als eine Formalität zum Abhaken zu behandeln. Dabei gilt: Je mehr konkrete Angaben Sie dem Grafiker am Anfang geben, desto weniger Korrekturrunden folgen später. Ein gutes Briefing beantwortet mehrere Fragen: Was genau wird gedruckt (Flyer, Katalog, Verpackung, Etikett), in welcher Auflage, mit welchem Druckverfahren, in welchem Format, und am wichtigsten - wozu es dienen soll.

Denn ein Katalog, der auf einer B2B-Messe verteilt wird, sieht ganz anders aus als ein Flyer, der in Briefkästen geworfen wird. Ersterer soll mit Zahlen, Spezifikationen und Referenzen überzeugen. Letzterer muss den Blick in drei Sekunden fangen, bevor er im Papierkorb landet. Wenn der Grafiker das nicht weiß, schießt er ins Blaue.

Was Sie vor dem ersten Termin mit dem Grafiker vorbereiten sollten: Das Logo in Vektorversion (kein Screenshot oder Scan), das Corporate-Design-Handbuch, falls vorhanden, Beispiele von Projekten, die Ihnen gefallen (auch aus anderen Branchen), Texte, die im Druck erscheinen sollen, sowie konkrete Daten: Format, Auflage, geplanter Abholtermin.

Phase 2: Entwurf und erste Konzepte

In dieser Phase bereitet der Grafiker in der Regel ein, zwei, manchmal drei Konzepte vor. Und hier lauert die erste Falle - Kunden bewerten das Design oft, indem sie auf den Bildschirm schauen, in RGB, auf einem Monitor mit gerade hochgedrehtem Kontrast. Der Offsetdruck arbeitet jedoch in CMYK, wo ein Teil der Farben einfach nicht in derselben Intensität existiert wie auf dem Bildschirm. Ein neonrosa Ton oder ein grelles Violett vom Monitor wirken im Druck gedämpfter - das ist die Physik der Farbe, nicht die Schuld der Druckerei.

Deshalb zeigt ein guter Grafiker das Projekt sofort in einer CMYK-Simulation oder schlägt, wenn Budget und Umfang des Projekts es erlauben, einen Probedruck (den sogenannten Proof) vor. Das kostet ein paar Dutzend Euro und kann eine ganze Auflage im Wert von mehreren Tausend Euro retten.

Phase 3: Vorbereitung der Druckdatei - hier passiert die ganze Magie (und die ganze Katastrophe, wenn etwas schiefgeht)

Das ist der Moment, in dem sich das Grafikprojekt in eine Produktionsdatei verwandelt. Der Unterschied ist enorm, obwohl es für einen Laien wie dasselbe Bild aussieht. Die Druckdatei muss einen Beschnitt haben - üblicherweise 3 mm, bei geklebten Katalogen manchmal 5 mm - das heißt, Hintergrund und Grafik müssen über den Rand des Blattes hinausgezogen sein, damit nach dem Schnitt auf der Guillotine keine weißen Streifen übrigbleiben. Sie muss einen Sicherheitsabstand haben, damit wichtiger Text nicht nur einen Millimeter von der Schneidklinge entfernt liegt. Sie muss in CMYK sein, nicht in RGB. Schriften müssen in Pfade umgewandelt oder eingebettet werden, sonst verwandeln sie sich beim Öffnen auf einem anderen Computer in eine zufällige Systemschrift.

Nehmen wir ein konkretes Beispiel: ein A5-Flyer, also 148×210 mm im Nettoformat. Mit einem Beschnitt von 3 mm auf jeder Seite wird das Bruttoformat 154×216 mm. Wenn der Grafiker vergisst, den Hintergrund um diese zusätzlichen Millimeter herauszuziehen, sehen Sie auf dem fertigen Flyer nach dem Schnitt einen dünnen weißen Streifen entlang der Kante. Das sieht billig aus und lässt sich nicht rückgängig machen - es muss neu gedruckt werden.

Ein weißer Rahmen ist kein Beschnitt: Es kommt vor, dass ein Kunde eine Datei mit einem weißen Rahmen als «Beschnitt» bringt, weil ihm einmal jemand gesagt hat, man müsse einen Rand lassen. Das ist nicht dasselbe. Der Beschnitt muss eine Fortsetzung der Grafik oder des Hintergrunds sein, kein weißer Rand - sonst sehen Sie nach dem Schnitt trotzdem einen ungleichmäßigen weißen Rand, nur diesmal absichtlich gestaltet.

Wer ist eigentlich für all das verantwortlich - Grafiker, Kunde oder Druckerei?

Diese Frage kommt bei jedem zweiten Gespräch mit einem neuen Kunden auf, und die Antwort lautet: Es hängt von den Vereinbarungen ab, aber jemand muss die Verantwortung übernehmen - und am besten klärt man das von Anfang an, nicht erst danach. Standardmäßig ist der Grafiker für die technische Korrektheit der Datei verantwortlich - Beschnitt, Farben, Auflösung, Schriften. Die Druckerei prüft die Datei vor dem Druck und meldet sich, wenn etwas nicht stimmt. Der Kunde ist für den inhaltlichen Teil verantwortlich - ob die Kontaktdaten stimmen, ob im Text keine Tippfehler sind, ob das Logo in der aktuellen Version vorliegt.

Das Problem entsteht, wenn diese Rollen verschwimmen. Wir haben Situationen gesehen, in denen ein Kunde dem Grafiker eine «fertige Datei» geschickt hat, die er von der eigenen Website heruntergeladen hatte, und dabei dachte, das reiche für den Druck aus. Die Datei war in RGB, 72 dpi, ohne Beschnitt - also genau das Gegenteil von dem, was der Offsetdruck braucht. Der Grafiker musste sie praktisch neu erstellen, nur dass diese Arbeit vorher niemand kalkuliert hatte, weil es angeblich nur «eine fertige Datei zum Weiterleiten» sein sollte.

Die häufigsten Kommunikationsfehler zwischen Kunde und Grafiker

Der erste und wohl häufigste: fehlende klare Angaben zu Format und Auflage am Anfang. Der Grafiker entwirft etwas, das als einzelne Visualisierung gut aussieht, und dann stellt sich heraus, dass es in drei Teile gefaltet oder beidseitig mit unterschiedlichem Inhalt auf der Rückseite gedruckt werden soll - wovon ihm niemand vorher etwas gesagt hat.

Der zweite Fehler: Korrekturen ohne Kontext. «Mach das Logo größer» oder «füg mehr Leben hinzu» sind Informationen, mit denen der Grafiker wenig anfangen kann. Ein konkreter Hinweis wie «das Logo sollte aus drei Metern Entfernung sichtbar sein, weil es auf einem Roll-up am Eingang stehen wird» gibt ihm etwas, worauf er eine echte gestalterische Entscheidung stützen kann.

Der dritte Fehler - den verstehe ich übrigens sehr gut, weil ich ihn selbst einmal bei meiner eigenen Visitenkarte gemacht habe - ist, ein Projekt schnell zu akzeptieren, ohne die Details zu prüfen, weil «der Termin drängt». Ich habe am eigenen Leib gelernt, dass fünf Minuten mehr für ein sorgfältiges Durchsehen des PDFs vor dem Versand an die Druckerei Wochen des Wartens auf einen Nachdruck sparen können.

Wie lange dauert eine solche Zusammenarbeit in der Praxis

Das hängt vom Umfang ab. Ein einfacher Flyer mit fertigem Branding dauert oft ein bis zwei Arbeitstage für den Entwurf plus ein bis zwei Korrekturrunden. Ein Katalog mit vierzig Seiten, Inhaltsstruktur, Tabellen und Produktfotos ist schon eine Sache von einer Woche, manchmal zwei - denn dazu kommt die Layoutphase, das Korrekturlesen des Textes, die Anpassung des Spaltenrasters. Eine Verpackung mit Stanzform ist eine eigene Geschichte, denn hier müssen zusätzlich Schnitt- und Rilllinien berücksichtigt werden, die als separate Spotfarbenschicht vorbereitet werden müssen.

Ein vernünftiger Zeitpuffer für die Entwurfsphase, wenn Sie einen Drucktermin planen, ist immer größer, als Sie denken. Rechnen Sie zusätzlich Zeit für die Freigabe durch den Kunden ein - denn genau diese Phase zieht sich am häufigsten hin, wenn das Projekt zwischen mehreren Personen zur Genehmigung kreist.

Wie sieht die finale Prüfung vor dem Druck aus

Bevor die Datei auf die Maschine kommt, prüft sie in einer guten Druckerei noch einmal jemand - nicht um jemanden zu kontrollieren, sondern um Dinge zu erkennen, die selbst erfahrenen Grafikern entgehen. Man prüft, ob der Beschnitt tatsächlich vorhanden ist, ob keine versehentlichen RGB-Elemente vorliegen, ob die Bildauflösung für den Druck ausreicht (300 dpi im Zielmaßstab, nicht weniger), ob Schriften in Pfade umgewandelt sind und ob eine eventuelle UV-Lack-Maske oder Stanzlinien als separate Spotfarben mit aktiviertem Überdruck vorbereitet sind.

Wenn etwas Zweifel aufkommen lässt, druckt eine gute Druckerei nicht blind los - sie ruft an oder schreibt eine Frage. Das verlängert den Prozess um einen halben Tag, spart aber möglicherweise mehrere Tausend Euro, die ein Nachdruck der gesamten Auflage kosten würde.

Eine Regel, die sich immer bewährt: Je mehr Fragen Sie in der Entwurfsphase stellen, desto weniger Überraschungen gibt es in der Druckphase. Grafiker und Druckerei hören lieber fünfmal zu oft «ist das wirklich das richtige Format» als einmal zu wenig.

Wann es sich lohnt, dass Grafiker und Druckerei von Anfang an zusammenarbeiten

Bei einfachen Aufträgen - Visitenkarte, ein einzelner Flyer - kann der Grafiker unabhängig arbeiten und die Datei erst am Ende an die Druckerei schicken. Aber bei komplexeren Projekten wie Verpackungen, Etiketten mit selektivem Lack, Katalogen mit ungewöhnlicher Bindung lohnt es sich wirklich, dass der Grafiker sich schon in der Entwurfsphase mit der Druckerei abstimmt und nicht erst mit der fertigen Datei. Die Druckerei kennt die Einschränkungen der konkreten Maschine, weiß, wie dick eine Linie bei einer bestimmten Stanzform minimal sein darf, welche Passertoleranz beim Lackieren gilt. Der Grafiker, auch ein sehr guter, kennt nicht immer die Besonderheiten genau des Maschinenparks, auf dem die Arbeit entstehen soll.

In unserer Druckerei kommt es vor, dass wir dem Kunden selbst den Kontakt zu einem bestimmten Grafiker vorschlagen, mit dem wir bei ähnlichen Projekten gute Erfahrungen gemacht haben - nicht, weil uns dafür jemand bezahlt, sondern weil eine solche Zusammenarbeit einfach für beide Seiten weniger schmerzhaft ist.

Was Sie aus diesem Artikel mitnehmen sollten, wenn Sie sich sonst nichts merken

Die Zusammenarbeit mit einem Grafiker beim Druck ist ein Prozess, keine einmalige Transaktion. Je früher Sie konkrete Angaben machen - Format, Auflage, Drucktechnologie, Termin - desto weniger Korrekturen erwarten Sie später. Nehmen Sie die Phase der Dateivorbereitung ernst, denn sie entscheidet, ob der Druck genau dem Projekt entspricht oder mit der Überraschung eines weißen Streifens am Rand endet. Und haben Sie keine Angst, Fragen zu stellen - weder dem Grafiker noch der Druckerei -, denn beide Seiten klären lieber etwas vor dem Druck als danach.

Bevor Sie die Datei zum Druck schicken, prüfen Sie

  • Hat die Datei einen Beschnitt (3 mm Standard, 5 mm bei geklebter Bindung)
  • Liegen wichtige Elemente im Sicherheitsabstand, mind. 3 mm vom Nettorand
  • Ist die Datei in CMYK und nicht in RGB
  • Sind Schriften in Pfade umgewandelt oder eingebettet
  • Haben Bilder mind. 300 dpi im Zielmaßstab
  • Sind eine eventuelle UV-Maske oder Stanzlinien als separate Ebene mit Spotfarbe angelegt

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